Es war schon dämmrig und es fiel mir schwer, den Text auf einem Zettel zu lesen, der am Gartentisch auf unserer Terrasse lag. Ich stand vor dem Tisch, beugte mich darüber mit aufgestützten Armen. Meine Brille hatte ich nicht auf. Ich war daher sehr konzentriert. Eine Bewegung, die ich im linken Augenwinkel wahrnahm, lenkte mich ab. Ich konnte aber nichts erkennen. Da bemerkte ich, dass etwas auf mich zulief, unter mir hindurch auf die andere Seite. Zunächst wusste ich nicht, was es war. Dann sah ich es. Es war ein Wolf, ein wohl noch sehr junger Wolf. Er stand da und schaute mich an, ganz ruhig, entspannt, eher neugierig denn aggressiv. Ich versuchte ihn zu vertreiben. Er drehte um, lief um den Steingarten herum und kam von der anderen Seite wieder auf mich zu. Wieder blieb er mit geringem Abstand vor mir stehen. Meine erneuten Abwehrversuche hatten nun weniger Erfolg.
Ich wollte mich im Haus in Sicherheit bringen. Ich bog ums Hauseck, sah im Kellerzimmer Licht und erkannte dort meinen jüngeren Bruder. Es hätte wenig Sinn gemacht, ihn aufmerksam zu machen, da die Kellertür klemmte und er wohl nicht wusste, wie man damit umgeht. Ich hielt es für das Beste, den leichten Anhang über die Gartentreppe hinaufzulaufen und an der Haustür zu läuten.
Obwohl ich mich langsam bewegte und der Wolf mir anfangs regungslos zusah, folgte er mir plötzlich. Ich hatte das Gefühl, dass er mich ins Bein beißen könnte. Ich drehte mich schnell um und drückte den Kopf des Wolfes gegen die kleine Mauer, die die Böschung bewehrte. Es gab keinen Laut, weder von mir noch vom Wolf.
Ich fragte mich, was ich denn da tue, da ich doch keine Angst hatte und auch keinen Anlass hatte, anzunehmen, dass mich der Wolf verletzen wollte.
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